Die Kunststoffscheibe im Heck eines Cabrios ist zwar grundsätzlich von der Glasbruchversicherung einer Teilkaskoversicherung mit versichert. Schäden im Biegebereich für den Einklappvorgang deuten jedoch auf Verschleiß hin. Dies hat das Amtsgericht München entschieden und im konkreten Fall einen Anspruch gegen die beklagte Versicherung verneint, weil deren Versicherungsbedingungen die Übernahme von Verschleißschäden ausschlossen

Geklagt hatte der Besitzer eines Mercedes Benz Cabrio Typ SL 280, das am 10.12.1997 erstmals zugelassen wurde. Das Cabrio ist teilkaskoversichert. Anfang 2012 machte der Kläger bei der Versicherung einen Glasbruchschaden geltend. Er hat das Hardtop seines eingewinterten Fahrzeugs entfernt und im Anschluss das Verdeck geschlossen. Beim Schließvorgang hörte er ein seltsames Geräusch und stellte später fest, dass die Heckscheibe gebrochen war. Der Kläger ließ das Verdeck für Euro 1.856,40 reparieren. Den Schaden wollte er durch die Versicherung regulieren lassen.

Die Versicherung weigerte sich, den Schaden zu übernehmen, da es sich um einen reinen Verschleißschaden handele. Eine Zahlung könne nur erfolgen, wenn es sich um einen Bruchschaden handele, der durch eine Beschädigung oder Zerstörung bei einem Unfall oder einer Einwirkung von außen entstanden sei. Ursache des Schadens sei hier aber kein Unfall, sondern eine Materialversprödung. Die Klage gegen die Versicherung auf Zahlung der 1.856,40 hatte keinen Erfolg.

Das AG München stellt fest, dass nach den dem Versicherungsvertrag zugrundeliegenden Bedingungen die Teilkaskoversicherung Bruchschäden an der Verglasung des Fahrzeugs zwar umfasst. Dabei stehe der Ersatzpflicht nicht entgegen, dass es sich bei der Heckscheibe des Cabrios nicht um Glas, sondern um Kunststoff handelt. Denn der Begriff «Glas» sei im weiteren Sinne zu verstehen. Geregelt sei in den Versicherungsbedingungen aber auch, dass «Verschleißreparaturen» nicht ersetzt werden.

Das AG München ist zu dem Ergebnis gekommen, dass der Schaden nicht durch ein Unfallereignis, sondern durch Verschleiß entstanden ist. Es sei keine Fehlfunktion der Mechanik des Verdecks festgestellt worden und das Verdeck habe störungsfrei geöffnet und geschlossen werden können. Die Heckscheibe sei 14 Jahre alt. Es sei gerichtsbekannt, dass Kunststoffe – anders als Glas – einem nicht unerheblichen Alterungsprozess unterliegen und je nach Beanspruchung durch äußere Einwirkungen wie Hitze/Kälte/Temperaturwechsel, UV-Strahlung, mechanische Einwirkungen durch Druck oder Biegung und Ähnlichem mehr oder weniger schnell spröde werden und schließlich brechen oder reißen können.

In Cabrio-Stoffdächer eingebaute Kunststoffscheiben unterlägen zwangsläufig besonderer Beanspruchung allein unter Berücksichtigung der sehr hohen Temperaturen aufgrund direkter Sonneneinstrahlung sowohl auf die Scheibe bei geschlossenem Cabrio als auch auf die – hier zudem schwarze – Abdeckung im geöffneten Zustand eines typischerweise im Sommer genutzten Fahrzeugs. Hinzu komme die mechanische Beanspruchung durch den Einklappvorgang. Aus vergleichbaren Fällen sei bekannt, dass sachverständigenseits von einer durchschnittlichen Lebenserwartung derartiger Scheiben von zehn Jahren, einer maximalen Lebenserwartung von 15 Jahren auszugehen sei.

Für einen Verschleißschaden spricht nach Ansicht des Gerichts auch das, was auf den vorgelegten Lichtbildern festgestellt worden sei. Zu sehen sei bei geschlossenem Verdeck die dreigeteilte Heckscheibe (großer Mittelbereich, kleine Seitenbereiche rechts und links). Der schon milchig wirkende Kunststoff sei an den Randbereichen sowohl rechts als auch links mehrfach eingerissen. Die größten Schadstellen mit herausgebrochenen Bereichen befänden sich auf einer Höhe im Biegebereich für den Einklappvorgang. Auch rund um die bereits deutlich sichtbaren Risse seien auf den Lichtbildern mit halbgeöffnetem Verdeck in den Scheiben eine Vielzahl von kleineren Haarrissen und Eintrübungen zu sehen. Diese seien das typische Erscheinungsbild für spröde gewordene Kunststoffe, kurz bevor das Material bei weiterer mechanischer Beanspruchung bricht.

AG München, Urteil vom 21.05.2014 – 271 C 4878/14

(Quelle: Beck online)